Verfasst von: markusoliver | Juni 15, 2015

Das Gefühl der Ohnmacht


Vergleichbar grausam und skrupellos bin ich noch nicht behandelt worden. Was einem in einem solchen Moment durch den Kopf geht, ist kaum zu beschreiben: ich habe sowohl angefangen mir Gedanken über die Antragstellung beim Versorgungswerk wegen Berufsunfähigkeit zu stellen als auch mir Gedanken über die Abwicklung meiner Kanzlei als – natürlich – das „Weiter“ meiner Familie bedacht.

Grausam.

Ein total misslungener „Scherz“ der wohin eigentlich führen sollte? Während ich diese Zeilen schreibe quälen mich Bauschmerzen.

Mein Dank gilt Apo, der recht schnell darauf kam, dass etwas nicht stimmen kann. Ich hatte es nicht durchschaut, weil meine Mutter mit 58 an Darmkrebs gestorben ist. Panik, Schmerzen, Blut. 

Ab jetzt jährliche Darmspiegelung. 

Der „Scherz“ hat übrigens noch ein Nachspiel. 


Responses

  1. Lieber M.O., Deine Zeilen lassen Hoffnung aufkeimen. Wie ich ja bereits schilderte, heutzutage kann eine Darmkrebsdiagnose mit 42 kein Todesurteil sein. Das mit der Krankheitsgeschichte Deiner Mutter wußte ich nicht, tangiert aber mein aus persönlicher Empirie geschöpftes Urteil nicht..

    Lass`Dich nicht entmutigen, Erfahrungen aus meinem Umfeld von Verwandtschaft und Bekanntschaft haben mir gezeigt, dass Darmkrebs wohl der am besten zu therapierende Krebs ist und dass aktuell sogar nach zwischenzeitlichen postoperativen künstlichen Darmausgängen diese nach einem Heilungsprozeß von einigen Monaten wieder zurückverlegt werden können.

    Der älteste aktuelle mir persönlich bekannte Patient auf diesem Sektor ist ein 86-jähriger verwitweter Postbeamter und Jugendfreund meiner Mutter, der nach einer einschlägigen Diagnose mit 83 Jahren, OP, künstlichem Ausgang und Rückverlegung nebst Chemotherapie wieder ein erfülltes Leben führen kann, ohne ein Pflegefall zu sein. Er lässt sich nur mittags von der Caritas Essen auf Rädern kommen. Also, Kopf hoch, das ist nicht nur so dahin gesagt!

    Wenn Du sprechen willst, ruf mich an. Am besten errreichst Du mich abends ab 21.00 Uhr.

    Du packst das! Viele liebe Grüße und alles Gut für Dich und Deine Familie – Apo

    • Danke Apo, das Du das so zutreffend erledigt hast.

      @MO, die derzeit erste Attacke i.d.S. hatte ich vor langer Zeit. Als ich meinen ersten A6 Quattro aus Neckarsulm abholte. Lange her. Grausame Nacht im Hotel, dann die Werksführung, Gang nach Kanossa. Scheidungsverfahren zudem, alles in der Schwebe, was man alles so auslösen kann.

      SchwuppDiWupp/Schnipp-Schnapp wars erledigt, weiter gings.

      Dein älterer Sohn futtert doch wieder ordentlich, oder? 🙂

      • Ja, der ältere futtert wieder. Du hattest sowas wie ich im Hotel?

      • Hallo MO,
        wie lange ist es her, daß wir uns bei PI oder Kewil über das Crash-Datum gestritten haben?
        Du sagtest damals, es dauert noch 15 Jahre. Ich war bei Null bzw überfällig. Differenz 7,5 Jahre.

        Jetzt ist (gefühlt) Halbzeit. Ah, so lange ists her.

        Greifen wir das nochmal auf?

        Heute ist ein Tag, wo vieles zusammengekommen ist. Die Hitze des Tages hat mich immer wieder in die Kühle der Kellergarage getrieben, somit Zeit, am katatastrophenresistenten Laptop zu daddeln. Sehe überall den Panik-Modus. Es hat sich etwas geändert, es ist etwas passiert, ich werde berichten.

        Aber zunächst: Worum haben wir eigentlich gewettet?

  2. „der wohin eigentlich führen sollte“

    Vielleicht sollte es eher ein Streich sein?

    Aber, eine solche Situation bringt die wahre Natur an die Oberfläche: das, was Dir wirklich wichtig ist.

    Bedeutet: Du taugst nicht zum Revolutionär. Der hätte nämlich im Angesicht des Todes anderes gemacht.

    Und das ist garnicht böse gemeint, nur eine Feststellung.

    Sei froh, daß Die dieses Geschenk gemacht wurde, dieser Moment der schonungslosen Ehrlichkeit Dir selbst gegenüber.

    Und LEBE danach. Denn das kannst Du jetzt.

    Beobachte einfach Deine Gefühle, wenn Du Deine Frau und Deine Kinder ansiehst. Und sag nicht, daß sich das nicht geändert hat.

    • Geändert hat es sich nicht, bis auf die Einschätzung der Wichtigkeit der Zeit für die Familie.

  3. Lieber markusoliver,

    ein solcher Streich ist wirklich nicht zum Lachen – jedenfalls heute noch nicht.
    Ich freue mich dennoch, dass dieser Albtraum für dich nur kurz andauerte. Vielleicht kannst du dieses Erlebnis einmal, ex post betrachtet, als Anstoß zu einem besseren, sinnvolleren Leben sehen. Herzlichen Glückwunsch. Ich habe die vergangenen Tage – obwohl wir uns nur aus dem Internet „kennen“ – öfter an dein Schicksal gedacht. Als bei mir im zarten Alter von acht Jahren die Diagnose Leukämie (ALL) gestellt worden war, war das leider kein schlechter Scherz. Dieses Gefühl der Ohnmacht war – für meine Eltern wohl noch viel mehr – schrecklich. Nun nach mehr als zwanzig Jahren lebe ich auch noch, aber du kannst froh sein, dass dir dieses Martyrium aus Therapie und dem andauernden Bangen bei den Kontrolluntersuchungen erspart bleibt.

    Herzliche Grüße

    • hallo markusoliver,
      das foto deiner kloschüssel kommt mir nur zu bekannt vor.
      habe das gleiche seit 2 jahren verbunden mit notorischem durchfall.
      seit einer woche mache ich mal wieder alkoholfasten und siehe da:
      verdauung wieder normal, nur noch ab und zu minimal blut dabei.
      beim alkfasten sind die ersten drei tage die unbequemsten, ich empfehle „schlaf und nerven tee“ – gibts von verschiedenen herstellern, sowie johanniskrautkapseln.
      gute besserung!


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