Verfasst von: markusoliver | August 9, 2014

Dazu schreibe ich heute oder morgen was


http://www.tagesspiegel.de/politik/terror-imirak-sympathie-fuer-die-extremisten-ist-erstaunlich-weit-verbreitet/10311184.html

 

So dann:

Der Artikel ist natürlich vollkommen richtig. Es gibt nicht viel daran zu kritisieren, außer die Kürze. Man hätte mehr schreiben können.

Vor allem fällt an dem immer weiter um sich greifenden Hordenkrieg dort unten auf, dass sich der Konflikt – wie selten einer – gut logistisch vorhersagen kann. Es liegt an der Wüstenumgebung. Wenige Fakten sind so klar und sicher wie das menschliche Bedürfnis nach Wasser in dieser Umgebung. 2 Liter am Tag mindestens. Eher mehr. Dazu 1.500 Kalorien. Die müssen erst einmal beschafft werden.

Brauchbare Lebensmittel lassen sich dort praktisch gar nicht anbauen und haltbar machen. Etwa Kühlung oder Konserve. Alternativen gibt es nicht. Das begrenzt die Konfliktfähigkeit der Bevölkerung extrem. Wer nicht versorgt wird, krepiert.

Schließlich die Straßen. Sie haben nur eine sehr begrenzte Haltbarkeit und immer nur eine spärliche Transportkapazität.

Benzin. Diesel. Müssen transporttiert werden. An vielen Stellen nur unter Beschuss möglich. Also schwierige Versorgungslage.

Nun zu den Städten. Richtig geht der Autor darauf ein, dass wenn die Dschihadisten erst einmal in einer Stadt sitzen, sie nur unter Inkaufnahme der völligen Zerstörung der Stadt zu vertreiben sind. Das könnte eine große Chance für die Region sein. Plattmachen und neu aufbauen. Allerdings müsste es dazu das Personal geben. Und das fehlt an allen Ecken und Kanten. Zu viele unbebildete Menschen. Keine berufliche Qualifikation. Ein ganz anderer und meistens gänzlich unbrauchbarer Typ Mensch. Statt eines großangelegten Aufbaus der Region wird uns nur flächenübergreifende Apathie geboten. Da niemand arbeiten kann und arbeiten will zehren die extrem von den Reserven.

Die vorhandenen Reserven sind leicht berechenbar. Wenn sich ein paar Logistiker mal hinsezten und die Kapazitäten der Lagerhäuser, der Lebensmitelindustrie in der Region, die Ein- und Aufuhrmengen der Häfen und schließlich die Energiekapazitäten berechnen würden, dann wird es wohl sehr sehr schnell große Augen geben. Ich vermute – ohne Zahlen zu haben -, dass in vielleicht 5 Monaten bereits 300.000 Menschen verhungert und verdurstet sind. In einem Jahr werden es eine Million sein.

Nicht dass es am IS liegen würde. So dumm sind die nicht. Sie haben jetzt nur Luftschläge gegen sich, ihre Kommandostruktur wird gestört. Und gleichzeitig haben sie überall Angst und Schrecken für ihren Vormarsch verbreitet. Sie haben also viele verängstigte Menschen unter ihrer Gewalt, die keinerlei Produktion vorweisen können. Keine Fabriken, keine Transporte, kaum Elektrizität.

Der Sieg der Peschmerga am Singhal ist daher das Fanal für die sunnitischen Massen im Einflussbereich des IS. Nun hagelt es Angriffe auf den IS und gleichzeitig ist er zu stark um vernichtend geschlagen zu werden.

Das Drama nimmt seinen Lauf.

 

 


Responses

  1. An sich könnte jetzt da nur mehr ein entschlossener General Mac Arthur mit der Bombe helfen. Aber warum sollen wir oder die USA helfen?

    Was machen eigentlich die sogenannten „Jesiden“ bei uns, die sich von den Mohammedanern nur dadurch unterscheiden, dass sie bevorzugt weibliche Verwandte umbringen, was soll das? Mich interessiert das alles nicht, raus mit dem Pack, Sack zu und gut ist es. Ich habe es einfach nur noch satt – und jeder in meiner Umgebung auch. Es fehlt nur noch der Funke, der Mann oder auch die Powerfrau, die Bewegung, der sagt/die sagt/sagen, jetzt reicht es, jetzt wird aufgeräumt. Ob wir das noch erleben werden? Ich glaube an das Prinzip Hoffnung…

    • Wohl wahr!

    • „Es fehlt nur noch der Funke, der Mann oder auch die Powerfrau, die Bewegung, der sagt/die sagt/sagen, jetzt reicht es, jetzt wird aufgeräumt.“

      Ist das Satire?

  2. Könnte das eine Langzeit Strategie der Schiiten (Iran/Malik), Nusarier (Assad) und Kurden sein? Sie lassen zu, dass die ISIS die arabisch-sunnitischen Gebiete im Irak und Syrien übernimmt, Aufgrund der politischen (Siedlungs- und Herrschaftsgebiete der nicht arabisch-sunnitischen Ethnien) und geographischen (Wüste) Gegebenheiten sitzen nun die sunnitischen Araber im nördlichen Zweistromland in einer riesigen belagerten Festung, in der Aufgrund der begrenzten Ressourcen an Wasser, Nahrung und Energie bald das Massensterben einsetzt.

    Ein Massensterben der sunnitischen Araber würde ihrem Kampf (und dem der Islamisten) gegen die Schiiten, Nusarier und Kurden die demographische Basis entziehen und die Sunniten als Konkurrenten um die, aufgrund der demographischen Entwicklung, knapper werdenden Ressourcen (Nahrung, Wasser, Öl) physisch und politisch (die dezimierten Überlebenden) ausschalten.

    Aufgrund der demographischen Entwicklung der Gegend und der Tatsache, dass weder der Irak noch Syrien den Übergang in eine moderne (funktionaldifferenzierte) Industriegesellschaft vollzogen haben, ist bei gleichbleibenden Ressourcen der Massenmord an anderen Ethnien für die jeweiligen Volksgruppen die einzige Möglichkeit sich selbst Ressourcen, Macht und Überleben zu sichern. Nicht die Bekämpfung der ISIS an sich, sondern ein „Massensterben“ der sunnitischen Araber würde den anderen Volksgruppen nachhaltig Überleben und Macht sichern.

    Stimmen Ihre Überlegungen, dann sitzen die sunnitischen Araber mit der ISIS in der Falle und die anderen Volksgruppen können sie mit internationaler Billigung (im Falle Assad nur stillschweigend) und Unterstützung (Schiiten und Kurden) verschmachten lassen, solange die ISIS die Macht in dem Gebiet behält. Keine Kameras werden das Leid einfangen, in Nachrichtensendungen wird es höchstens Halbsätze geben und die westlichen humanistischen und neokonservativen Moralisten werden wegschauen, wie sie es immer tun, wenn die Falschen leiden.

    • Da könnte schon was dran sein.


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