Verfasst von: markusoliver | April 11, 2014

Nochmal: Vietnam


Ein in der Öffentlichkeit wenig beachteter Aspekt des Vietnamkrieges ist, dass es Gerüchte gibt, dass in Vietnam eine riesige Anzahl von Offizieren durch Untergebene Soldaten getötet worden sein soll.

Die Zahlen variieren ganz erheblich.

Die niedrigste mir bekannte vermutlich seriöse Zahl ist die Zahl 700.

http://www.straightdope.com/columns/read/2877/did-soldiers-really-frag-officers-in-vietnam

Selbst für einen sich über Jahre hinziehenden Krieg ist das schon eine sehr beachtliche Zahl.

Erschwerend kommt hinzu, dass die Zahl 700 vermutlich lediglich auf eindeutig nachgewiesenen Fällen beruht.

Nicht Teil dieser Menge werden „Suizide“ sein, die später nicht als Morde nachweisbar waren. Beispielsweise solche mit der Schusswaffe in die Schläfe.

Die gesellschaftzerstörende Wirkung von Drogen wird damit ganz gut belegt. Nicht, dass Kriege keine die Gesellschaft zerstörende Wirkung hätten.

Aber es wird doch sehr gut die enthemmenden Wirkung des Drogenmissbrauchs deutlich. Es wird ja niemand bestreiten wollen, dass im Vietnamkrieg wesentlich mehr Drogen konsumiert wurden als beispielsweise im ersten oder zweiten Weltkrieg.

Deshalb bin ich auch ein Gegner der Legalisierung des Drogenkonsums. Die Menschen verhalten sich unter Drogen eben nicht mehr rational, fast so wie in der bunten Republik. Alles verkommt zum Irrenhaus.

Für Kinder ist es ganz besonders dramatisch, wenn die Eltern Drogen nehmen. Eltern können dann nicht mehr Ihrer Verantwortung bei der Erziehung gerecht werden. Schon allein deshalb sind Drogen zu verbieten.

Doch zurück zum Militär.

Man fragt sich natürlich, was die US Armee in Vietnam falsch gemacht hat, wenn sie nicht in der Lage war ihre Truppen derart diszipliniert zu halten, dass die Leute dazu übergingen, 700 Offiziere umzubringen.

Immerhin ist die US Armee eine sehr professionell geführte Armee, man versteht dort sehr viel von Menschenführung und hat Erfahrung mit einer Vielzahl von Kriegen.

Oder hat sie vielleicht gar nichts falsch gemacht? War es wohl schlicht so, dass man aus Scheiße kein Gold machen konnte?

Vor allem stellt sich die Frage, wie man eine Armee weiter professionalisieren kann, dass es nicht zu derartigen Übergriffen der Soldaten gegen die Offiziere kommt.

Ist es am Ende doch der Mensch der den Unterschied macht, können die Menschen durch Drill doch nicht geformt werden? Kurz: ist es entscheidend was der Einzelne mit ins Militär bringt oder macht erst das Militär den Menschen durch Drill?

Ich habe immer vermutet, dass der menschliche Charakter nicht veränderbar ist. Ein Feigling bleibt ein Feigling, ein Schwächling bleibt ein Schwächling. Eine undisziplinierte Person bleibt eine undiszipliniert Person. Der eine oder andere kann manchmal über sich hinaus wachsen, aber im statistischen Mittel verändert sich das Individuum nicht.

Die Erfahrungen aus dem ersten und zweiten Weltkrieg sprechen eigentlich gegen meine Theorie.

Womit ich natürlich nicht sagen will, dass die Disziplinierung breiter Massen nicht letzten Endes nachteilig ist. Immerhin starben in diesen Kriegen Millionen von Menschen.

Hat jemand Erfahrung damit, dass man aus schwächlichen Verlierern tatsächlich so etwas wie Männer mit Substanz machen konnte?

Können (erwachsene) Menschen nun (militärisch) grundsätzlich geformt werden oder nicht?

Waren es in Vietnam die Drogen oder eine durch 1968 eingesetzte Degeneration der Gesellschaft?


Responses

  1. Du hast so viele Fragen gestellt, die nach einer schlüssigen Antwort suchen.
    Diese Epoche muß man durchleben. Bis man erkennt, daß man genasführt wird.

    Wir sind dermaßen durchseucht mit Fehlinformationen, daß es kaum noch möglich ist, ein zutreffendes Lagebild zu erkennen. Hollywood eben.

    Den Einzelaspekt, den Du herausgegriffen hast, die 700 toten Offz. Habe davon schon in den 60ern des letzten Jahrhunderts gelesen.

    Damals gabs übrigens auch einen braven Deutsch-Ami, Dieter Dengler hieß der, hat nach Abschuß seines Fliegers in vietnamesischen Bambusknästen überlebt und Froschherzen roh gefressen. War damals -so die hiesige Presse- der einzige der rauskam aus Vietnam. Damals also eher nix mit Drogen sondern Tenor auf Überlebenswille. Die Artikelserie damals (Spiegel oder Stern?) vermittelte den „guten Deutschen“ (brav loyal, pflichtbewußt, überlebensfähig) und war damit schon/noch Teil der Indoktrination.

    Versuchen wir doch ersteinmal, aus Scheiße Bonbons zu machen, bevor wir uns an Gold heranwagen.

    Da sind Fehler in der medialen Beeinflussung. Wer fähig ist, Sachzusammenhänge über längere Zeit zu bewahren und mit neuen „Informationen“ abzugleichen, erkennt gewaltige Diskrepanzen.

  2. Der umgekehrte Vorgang scheint jedenfalls möglich zu sein… In „Deutsches Volkstum“ erwähnt der Turnvater Friedrich Ludwig Jahn den Reisebericht eines Spaniers(!) aus dem 16. Jahrhundert, in dem eben dieser Spanier zu erwähnen für nötig hält, daß der Deutsche schnell beleidigt zu sein meint, oder halt auch ist, und recht bereitwillig sein Schwert zückt.

  3. Hätte man diese Leute nicht in einen sinnlosen Krieg geschickt, dann hätten sie weder Drogen genommen, noch ihre Vorgesetzten erschossen.
    Bei den Drogen ist klar, dass Prohibition mehr schadet als nutzt.
    Und schon im Ersten Weltkrieg gab es Berichte, dass die meisten gar nicht wirklich darauf aus waren, den Feind zu treffen. Sie waren relativ friedfertig und wollten nur selber nicht getroffen werden. Feige würde ich das nicht nennen, schließlich wurden sie ja in diesen Krieg gezwungen. Mutiger wäre es allerdings gewesen, sich einem Krieg, den man ablehnt, zu widersetzen, bzw. in einem Krieg, den man befürwortet, richtig zu kämpfen. Dass die meisten Menschen nicht als Krieger geboren sind, erkennt man schon daran, dass in früheren Zeiten, relativ wenige Krieger relativ viele Feinde massakrieren konnten. Das ist bei moderner Bewaffnung viel schwieriger. Ein Rambo mit Schwert hat gegen einen Haufen Normalos mit Schwertern mehr Chancen als wenn alle mit Schusswaffen herumlaufen.

    „Können (erwachsene) Menschen nun (militärisch) grundsätzlich geformt werden oder nicht?“

    Was soll geformt heißen? Gedrillt? Gebrochen? Enthemmt? Und ist jemand, der Befehlen gehorcht, die er nicht befürwortet, nicht der ultimative Feigling?
    Man stelle sich vor, die Soldaten des Ersten Weltkriegs hätten ausschließlich Vorgesetzte erschossen. Es wäre wunderbar gewesen. Alle großen Probleme des 20. Jahrhunderts wären uns erspart geblieben.

  4. Die Erschießung von Vorgesetzten klärt eigentlich jedes Herrschaftsproblem.
    Ist das jetzt links? Mir egal.
    Jedenfalls muss sich keiner mehr mit dem autoritären Charakter beschäftigen, der ist dann tot.

    • Moooooment. Wenn die Führer selber links sind, also eher Ratgeber mit profundem Erfahrungsschatz, die jeder von sich selbst aus als mehr-wissend und höherstehend ansehen muß und die nur autoritär-ähnliche Handlungen vornehmen, weil sie den antiautoritären Konsens schützen wollen, dann ist eine solche Handlung in höchstem Maße reaktionär und faschistisch!

      Vergiß nicht: wer das Leben beleidigt ist dumm oder schlecht, wer die Menschheit verteidigt, hat immer recht.

  5. Norman Schwarzkopf hat in „Man muß kein Held sein“ ausführlich dazu geschrieben. Die Armee war durch die 68er zerrüttet. Make love not war. Die Soldaten waren Wehrpflichtige. Und die „Innere Führung“ bestand aus Soldatenverstehern.

  6. Frohe Ostern, übrigens. Schreib doch mal was über die Ukraine. – Heute endlich mal schönes Wetter und warm: Draußen vom Seehaus (im Englischen Garten) komm` ich her, ich kann Euch sagen, es biergartet (in unserem Fall: weingartet, bei Kufers gutem Haus-Weißburgunder) sehr. Dort zwischen den Bänken und Sitzen, sah ich die gläsernen Krüge/Gläser blitzen. Und das Bier/der Wein, das/der rauscht hinein, es darf ruhig eine zweite Maß/ein zweites Glas sein …

    • Ach, wie ichvDich beneide, Apo! Ein guter Freund von mir ist auch in München.

      Wenn sich eine verlässliche dauerhafte Jobperspektive zu sagen wir 70.000/Jahr in München findet, siedle ich über.


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