Verfasst von: markusoliver | Oktober 11, 2013

Der Bau-Bischof


Ganz Deutschland echauffiert sich über den Bau-Bischoff. Er persönlich soll für die enorme Kostensteigerung verantwortlich sein. Er persönlich, der sich eine freistehende Badewanne für 15.000 € einbauen lassen.

31 Millionen €.

Kommen wir mal zu den Fakten:Soweit ich weiß, ist Limburg mehr oder weniger auf Fels gebaut.Vor Ort gilt es, denkmalgeschützte Strukturen zu erhalten.Man kann die denkmalgeschützten Gebäude nicht einfach abreißen, man  kann sie auch nicht umbauen, man muss sie auf eine ganz bestimmte Art und Weise erhalten.

Dafür bedarf es einer gewissen architektonischen Raffinesse.

Das alleine erklärt natürlich an dieser Stelle noch keine Kostensteigerung von 2,5 auf 31 Millionen €.

Wer sich ein bisschen mit Baurecht auskennt und die Kniffe der VOB/B und des Vergaberechts kennt, kann sich eine derartige Kostensteigerung sehr leicht ausrechnen. Da ist zunächst einmal ein Architekt, der ein Vorhaben auf eine ganz gewisse Art und Weise plant. Aufgrund des Denkmalschutzes sind in seiner Planung enge Grenzen gesetzt.Er entwirft also ein Gebäude, bei dem er nach links und rechts, nach oben und unten nicht besonders viel Spielraum hat.

Schon der Grundentwurf ist auf Fels gebaut bzw. geplant.

Und nun kommt so ein Bischof daher und hätte gerne die ein oder andere Veränderung. Der Laie denkt ja nun, was kann kann daran so teuer sein? Aber im heutigen Baurecht ist jede Form von Nachtrag preislich gesehen die Hölle auf Erden.Der Auftraggeber schreibt eine Baumaßnahme aus, es bewerben sich verschiedene Bauunternehmer. Schon bei der Einreichung des Angebotes wird nach Kräften getrickst.Jeder rechnet sich so billig wie er nur irgendwie kann.Die Baumaßnahmen sind auf Kante genäht. Allerdings wird dann in den Nachträgen getrickst, die Preise dafür sind teilweise exorbitant hoch. Das ist grundsätzlich auch gar nicht mal verwerflich, die Bauunternehmer wollen auch leben. Und wenn man genau das baut, was man am Anfang ausgeschrieben hat, bekommt man für sein Geld auch schon recht gute Qualität.Vor allem zu einem vernünftigen Preis. Was man bei der ursprünglichen Baumaßnahme auch vermuten darf. Die ursprünglich avisierten 2,5 Millionen € halte ich angesichts der Tatsache, dass alles auf Fels gebaut wurde, auch für ein ziemliches Schnäppchen. Ob das wirklich jeder private Bauherr bekommen hätte wage ich zu bezweifeln. Auf jeden Fall werden sich die Bauunternehmer für Nachträge ziemlich starke Preissprünge eingebaut haben.

Eine Verdreifachung des Preises bei auch nur geringfügigen Änderungen am geplanten Entwurf halte ich heutzutage nicht mehr für so ungewöhnlich. Beim Bau sollte man eben schon am Anfang ganz genau wissen, was man später bekommen will. Nachträge kosten richtig Geld.

Bei so einer Baumaßnahme wie in Limburg wundert es mich ehrlich gesagt überhaupt nicht, dass die 31 Millionen erreicht sind. Es können auch locker noch mehr sein. Man stelle sich nur einmal vor was dort geleistet wird: Fels muss gefräst werden. Bodenklasse 7. Vernünftige Preise für Erdarbeiten aller Art bekommt man im Grunde nur bis Bodenklasse 5. Alles danach ist preislich überhaupt nicht mehr mit dem zu vergleichen, was man so landläufig kennt.

Wenn der Bischof also hin und wieder mal einen unscheinbaren Änderungswunsch vorgetragen hat. Dann hätte ihn der Architekt, der nun nach Kräften gegen den Bischof hetzt, über die enormen Folgekosten aufklären müssen. Der Bischof hätte deutlich über die Gefahren aufgeklärt werden müssen, die sich aus vermeintlich kleinen Änderungswünschen ergeben. Auch kleine Änderungen am ursprünglich geplanten Entwurf sind preislich heutzutage kein Spaß mehr.

Deshalb muss der Architekt aufklären.

Ich hoffe, der Architekt kann beweisen, dass er den Bischof über derartige Gefahren aufgeklärt hat. Sonst braucht er eine sehr gute Versicherung.

Ich würde mir eine derartige Architektenleistung, die in ein solches Desaster führt, jedenfalls nicht bieten lassen.

Die ganze Sache in Limburg riecht nach einem Architektenfehler. Entweder es wurde am Anfang zu eng geplant, oder es wurde falsch ausgeschrieben (evtl. auch mit zu hohen Forderungsberechtigungen für Nachtragsleistungen) oder es wurde später nicht aufgeklärt über die Konsequenzen.

Ich halte es jedenfalls für unwahrscheinlich, dass der Bischof am Rat des Architekten vorbei vorsätzlich derartige Kosten verursacht hat. Mit ziemlicher Sicherheit hat dort irgendjemand Mist gebaut.

Was natürlich nicht bedeuten soll, dass es nicht teurer hätte werden dürfen als 2,5 Millionen. Bei einer ursprünglichen Summe von 2,5 Millionen ist angesichts des felsigen Untergrunds immer die Möglichkeit einer hohen Kostensteigerung zu berücksichtigen. Man kann das natürlich aus der Ferne nur schwer schätzen, aber 7,5 Millionen sind nicht unwahrscheinlich.

Jemand anderer Ansicht?


Responses

  1. Der neue Bischof Franz-Peter Tebartz-van Elst, der am 20. Januar in sein Amt eingeführt wird, hat mit der ganzen Geschichte übrigens nichts zu tun. Die Entscheidung für die Baumaßnahmen fiel vor seiner Nominierung.
    aus:
    http://www.wir-sind-kirche.de/?id=129&id_entry=1183
    daraus weiter:
    29.12.2007 – Wiesbadener Kurier
    Das Ende der Bescheidenheit

    Neuer Bischofssitz für sechs Millionen Euro empört Limburger Katholiken

    In 2007 also schon diese Welle. Verlier Dich nicht in Spekulationen MO 😉

    • Naja, es geht aber vor allem um die Kostensteigerung. Durch ne neue Badewanne schießt der Preis jedenfalls nicht von 7,5 auf 31 Millionen hich!

  2. Da hat sich vermutlich das Duo Infernale aus Bauherr & Architekt gefunden.
    So etwas hat eine gewisse Eigendynamik…

    Übrigens, felsiger Baugrund ist in vielen Gegenden Deutschlands üblich und wird beherrscht, genauso wie die Torfmatschepatsche südwestlich von Hannover. Nix besonderes, nur etwas teurer.

  3. OT, geil. Hier, http://www.derwesten-recherche.org/2013/10/broselsteine-haniel-unter-druck-hinweise-auf-sittenwidrige-schadigung/ , ein Festessen für RAe.
    Gehts noch? Wie krank ist das denn? Bei all den “Güteprüfungen”, all den “Bauaufsichtlichen Zulassungen”, all dem Werbetamtam? Worauf sollen wir uns denn noch verlassen können? Neue Erkenntnis: Steine dürfen nicht naß werden…..

    • In der Tat! Bei Gelegenheit Rücksprache!


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