Verfasst von: markusoliver | Juni 21, 2013

Dieses ist der Blog eines Sozialdemokraten


Ab heute Sozialdemokrat! Ich habe lange mit mir gerungen wie es parteipolitisch weitergeht und mich gefragt, ob ich nicht vielleicht bei der Alternative für Deutschland gut aufgehoben wäre. Doch an denen stört mich die krankhafte Sucht nach Besitzstandswahrung. Es ist Politik von alten und satten Männern, die Angst um ihre Altersversorgungen haben. Es ist Politik der Wohlhabenden, für die die EU solange ein brauchbares Vehikel war wie man damit an billige portugiesische Bauarbeiten kommen konnte, die deutschen Bauarbeitern die Jobs wegnahmen. Europaskepsis setzte in dieser Schicht erst ein, als es den Apothekern an den Kragen ging.

Ich halte die AfD für ein schon grundsätzliches verlogenes Konzept, bei dem es sich um eine politische Totgeburt handelt. Und es ist auch ökonomischer Unfug, der von diesen Leuten erzählt wird. Der Lucke hat sehr schlichtes Weltbild das auf einer uralten deutschen Angst beruht: Inflation.

Ich sage nur „Willkommen im 21. Jahrhundert“. Ökonomie funktioniert in der Informationsgesellschaft anders als bisher. Die alten Gesetze gelten nicht mehr, weil sie auf statischen Modellen beruhen. In der Informationsgesellschaft aber ist die Veränderung stetig. Das Tempo enorm.

Die großen Fragen die zum Überleben des deutschen Volkes beantwortet werden müssen, werden von den Konservativen nicht beantwortet. Der Zahl der Menschen, die in einer totalkapitalistischen Gesellschaft an den Rand gedrückt werden, steigt stetig. Es erwischt früher oder später die Allermeisten, nur gestehen sich das nur noch wenige ein. Selbst gut ausgebildete Akademiker sind davon nicht ausgenommen, selbst die haben Schwierigkeiten einen Status zu erlangen mit dem sie Kinder in die Welt setzen können. Nicht umsonst haben wir so wenige Kinder von Akademikern.

Die Kinderarmut ist das zentrale Problem in Deutschland. Wir können uns auch nicht mehr aussuchen welche Bevölkerungsschicht diese Armut beheben soll, dazu ist die Not viel zu groß. Wir müssen die Menschen dermaßen ausbilden, dass wir sie im globalen Wettbewerb gebrauchen können. Das ist mit dem derzeitigen Schulsystem fast unmöglich. Daran sind auch diejenigen schuld, die bislang als Sozialdemokraten aktiv war. Das will ich gar nicht beschönigen. Die SPD hat trägt eine gigantische Mitverantwortung für den Niedergang Deutschlands. Daran ist zu arbeiten.

Ich glaube dennoch, dass jedes auch nur halb brauchbare Konzept für Politik im 21. Jahrhundert von Links kommt und kommen muss. Alle anderen sind schlichtweg nicht handlungsfähig. Wenn wir dieses Land verändern wollen, dann geht es nur mit den mittlerweile breiten verarmten Massen! Wir können keine Politik mehr an den verarmten Massen vorbei machen! Die Armut aber werden wir nicht mehr mit Sparmaßnahmen in den Griff bekommen. Um das zu erreichen müssen wir die „Reichen“, also diejenigen die noch Kapital haben, kalt enteignen.

Entschuldigung, es geht nicht anders. Es gibt keinen anderen funktionierenden Weg aus dieser Wirtschaftskrise als den der Inflation.

Ich habe wirklich lange darüber nachgedacht. Ob man nicht vielleicht die Sozialausgaben weiter kürzen kann:

Dazu soviel: Natürlich könnte man. Nur was hätte das für Folgen? Leute die auf Grund einer zwanzigjährigen unfassbar nachlässigen Sozialpolitik unfähig wurden eine Leistung am Markt anbieten zu können, werden dann auch nicht handeln können. Dann würden uns die Geburtenzahlen extrem einbrechen.

Könnte man nicht einfach die EU beenden? Nein, auch das geht nicht. Dann würden uns die Amerikaner und die Chinesen rücksichtslos an die Wand spielen. Große Industrien wie im Flugzeugbau lassen sich nur noch ab 500 Millionen Menschen im Währungsraum durchsetzen.

Will man die ganzen Schulden ernsthaft zurückzahlen? Wer soll das zahlen? Es funktioniert nicht, da kann man rechnen wie man will. Wir sind pleite. Der einzige Weg hinaus ist die Enteignung.

Ich könnte noch tausend weitere Gründe bringen: Wohnungsbau. Das Märchen vom klug investierten Kapital, das Wohnungen schafft. Wo denn? In München? In Köln? In Hamburg? Vermieter haben kein Interesse daran gute Wohnungen zu bauen. Sie wollen Räume vermieten. Je billiger sie in den Kosten sind, desto geringer ist das Risiko, desto höher der Gewinn.

Wir werden sicherlich nicht zurück zum Kommunismus kommen. Aber an der Umverteilung führt kein Weg vorbei. Ich hätte es auch gerne anders! Es nutzt aber nichts! Darf ich Thilo Sarrazin jetzt dutzen?

 

 

 


Responses

  1. Erstaunlich. Ökonomie funktioniert in der Informationsgesellschaft anders? Es gilt jetzt nicht mehr: Ich suche, Du bietest oder ich biete, was er sucht? Interessant.

    Eine gigantische Umverteilung findet bereits statt. Es werden Millionen gefüttert, die daraufhin darauf verzichten, einen vernünftigen Schulabschluß zu machen, eine vernünftige Berufausbildung zu erwerben und einen Beruf auszuüben, denn der Staat ernährt sie doch und besser, als die, die Arbeiten gehen, allerdings zum Mindestlohn, und die deshalb „aufstocken“ müssen. Der Staat, der sie ernährt, sind aber die, die noch arbeiten, die Idioten. Die sind so doof, die könnten doch auch einfach das bedingungslose Grundeinkommen fordern, das bezieht dann jedermann, wir fassen uns bei der Hand und singen Hopsassa.

    Und Du hast, kluger Mensch der Du bist, das Wesen der Sozialdemokratie nicht begriffen, denen geht es um den Erhalt des Kapitalismus, und ihren Platz am Futtertrog der parlamentarischen Volldemokratie, dazu sind sie auch bereit, die bisherigen Besitzstände, wie das langjährige Arbeitslosengeld von 50jährigen gegen ALG II und HARTZ IV einzutauschen.

    Und was ist los? Wieder aus einem Job geflogen? 🙂 Werde doch einfach so etwas, wie die Wagenknecht, die hat, weil sie Arbeit zu anstrengend fand, beschlossen, die inkarnierte Luxemburg zu geben. Du könntest doch als wiedergeborener Ferdinand Lassalle auftreten.

    „Die Erhöhung der Löhne bringt den Arbeitern auf die Dauer keinerlei Vorteile. Erhöhung der Löhne und Erleichterung des Lebensunterhaltes hat nur Vermehrung der Ehen, Vergrößerung der Nachkommenschaft und infolgedessen ein größeres Angebot von Arbeitern zur Folge, wodurch der Lohn wieder bis auf das notwendigste Minimum des zum Lebensunterhalt Erforderlichen heruntergedrückt wird.“

    • Nein, ich bin nicht aus einem Job geflogen. Ganz im Gegenteil, ich bin ziemlich erfolgreich. Aber ich sehe jeden Tag hart arbeitende Menschen, die arbeiten können soviel sie wollen, die dafür aber auch nicht annähernd so etwas wie ein faires Gehalt bekomen. Es gibt Lohndrückerei. Lohndrückerei meint, dass es nicht mehr um fair – also nach den Spielregeln – ausgehandelte Löhne geht, sondern um Manipulation von Gesetzgebungsverfahren. Horden von Ausländern die ins Land gelassen werden um die Lohnkosten niedrig zu halten, Körperschaften ohne jede Verpflichtung, die gewaltige Steuervorteile gegenüber natürlichen Personen haben.

      Unfaire Insolvenzverfahren. Unfaire Kreditvergaben durch die Banken. Unfreie Märkte, lobbyistisch manipuliert.

      Und ja: in der Informationsgesellschaft geht es nicht mehr um Angebot und Nachfrage. Es geht nicht einmal mehr um Rationalität. Vieles ist irrational, Investitionen werden nicht mehr durch persönlich haftende natürliche Personen getätigt, sondern durch an Boni interessierte Manager, die ihre Arbeitgeber mit bewusst fahrlässigen Verhaltensweisen in den Ruin treiben. Kaum noch jemand hat ein Interesse an Werthaltigkeit. Was zählt ist maximaler Gewinn in kurzer Zeit, unter Außerachtlassung grundlegender ökonomischer Gesetze und Verantwortlichkeit.

      Sagt Dir ein Compliance- und Wirtschaftsstrafrechtspezialist.

      Du glaubst noch an eine Ökonomie die es gab bevor zehntausende von Ökonomen und Steuerberatern die Profitmaximierung zu Lasten der Körperschaften erfanden.

      Du bist noch nicht in der Gegenwart angekommen, hast nicht den Hauch einer Ahnung von Bilanzen, Ökonomie und Steuertricks. Wenn ich Dir jetzt ein paar grundlegende Fragen stelle, kommt nichts als heiße Luft.

      Also reiße Deine vorlaute Klappe nicht so auf. Ich stecke Dich zehntausend Mal in die Tasche.

  2. Ich will Dir in den genannten Punkten über die blöde Situation in der sich viele Menschen befinden gar nicht widersprechen, aber was Sozialdemokraten und Linke übersehen ist doch: Die Möglichkeiten zur Umverteilung sind stark begrenzt.
    Man kann sicher noch ein paar Prozent Steuern nach oben gehen – aber wie wir wissen ist der Mensch von Natur aus faul wie nochwas und ein Nutzenmaximierer. Wenn sich Unternehmertum also nicht mehr lohnt wird der Unternehmer das Land verlassen oder die Unternehmung einstellen.

    Wo sich das Problem der Umverteilung überdeutlich zeigt: Wer in diesen Jahren das Berufsleben betritt, wird es wahrscheinlich auf einer Bahre erst wieder verlassen. Rente wird es nur noch für wirklich voll Arbeitsunfähige geben – unmöglich, dass die vielen Alten später von den wenigen Jungen finanziert werden können.

    • Ach was! Die Steuern sind niedrig wie nie zuvor, einzig die Mehrwertsteuer und die Mineralölsteuer steigen stetig!

  3. ich gebe karl-eduard recht.

    die ökonomischen gesetze haben sich nicht geändert. aber durch die globalisierung hat sich das gebiet der anwendung vervielfacht (mit entsprechenden nachteilen für die lokal begrenzt agierende masse der arbeitnehmer. denen zusätzlich noch durch den import der ausländischen konkurrenz in form von migranten die hölle heiß gemacht wird). das hat nichts mit fairness sondern mit kalt kalkuliertem interesse anonymer internationaler gesellschaften zu tun, nichts mit steuertricks, bilanzen und anderem kram.

    die deutsche sozialdemokratie ist schon deswegen keine lösung, weil sie lediglich regional agieren kann. auf die weltmärkte und deren ökonomischen mechanismus hat sie keinen einfluss.

    wenn man sie als verursachendes teil des entstandenen problems ansieht, wie du es ja richtig tust, verstehe ich nicht, wie man in denen eine lösung sehen kann. sie vertreten (scheinheilig, denn die führer kassieren ordentlich und skrupellos und die angeblich vertretenen sog. arbeiter kommen da nie innerhalb der spd an die macht) eine alte und längst überholte ideologie.

    ich habe dazu ja etwas geschrieben („der plan“ – in meinem inhaltsverzeichnis auffindbar). ich fürchte, eine lösung für dieses neuere und grundsätzliche phänomen muss erst gefunden werden.

    davon sind wir sehr sehr weit entfernt.

    • Es wird immer fabuliert es gäbe keine Lösung: doch die gibt es! Deutschen Einfluss in der EU geltend machen und einen Sozialpakt schließen. Schon ist Schluss mit Billigstimporten, Steuerhinterziehung, -vermeidung und Erpressung.

      Welcher konkrete Nachteil soll denn entstehen? Das Zockerkapital führt doch eh nicht zu Investitionen sondern zu nur noch mehr Finanzkrisen!

      Das grundsätzliche Problem in der Weltwirtschaft ist nicht der Wettbewerb, sonder die Existenz juristischer Personen (Körperschaften)!

      • das würde voraussetzen, daß „die deutschen“, das volk also, einfluss auf die „deutsche „politik hätte. meiner meinung nach steuert aber das internationale kapital die regierung.

        die maßgebliche politik findet oberhalb einer vom wähler beeinflussbaren ebene statt. der wähler wird mittels der medien (die vorgenanntem kapital gehören) gesteuert. die regierung mittels druck und geld.

        nur deshalb ist es möglich, daß in deutschland erkennbar eine so seltsame politik GEGEN das volk stattfindet.

        lösungen, die gegen die interessen des internationalen kapitals (womit ich mehr das real investierende Kapital denn mit dem benzinkanister herumrennende finanzzocker meine) verstoßen, werden daher nicht stattfinden. unlösbar ist das problem zur zeit deshalb, weil (1) der gegner nicht recht erkennbar ist – selbst für die wenigen leute, die das problem überhaupt so sehen – und (2), weil es keine gegenkraft zum internationalen kapital gibt. das müsste eine art international agierende gewerkschaft sein, die aber wegen der unterschiedlichen nationalen interessen der arbeitenden kaum vernünftig entstehen kann. punkt 2 ist dabei der entscheidendere.

        für diese fragen ist die existenz von körperschaften und steuerhinterziehung ohne jede bedeutung.

  4. Von links ist noch nie was brauchbares gekommen. Die Staatsschulden brauchen nicht durch Inflation abgebaut werden, sie können im Extremfall ganz oder teilweise annuliert werden, dagegen gäbe es keine Handhabe. Geschädigt wären nur diejenigen, die dem Staat Geld geliehen haben. Die Probleme der Gegenwart sind lediglich die Folge einer unverantwortlich lockeren Geldpolitik, staatlicher Verschwendung und islamischer Einwanderung. Der Vorschlag „Billigstimporte zu verbieten“ würde lediglich zu Kaufkraftverlusten führen.

  5. Ich gebe zu, ich war beim ersten Lesen etwas geschockt, aber nach dem Schlafen wurde mir klar, dass alles zusammenpasst. Du bist halt Anwalt, hast also keine Prinzipien und von Ökonomie keine Ahnung, da kann man leicht, wenn es opportun ist, mal die Seiten wechseln.
    Meine Welt bleibt also in Ordnung, das einzig zuverlässige an Juristen bleibt, dass sie alle Vorurteile, die man gegen sie haben kann, bestätigen.

    • Ja, na klar! Aber bei Euch sitzt die geballte Kompetenz, Ihr Flachpfeifen! Ich habe im Moment leider viel zu viel zu tun, ich antworte später!

  6. Zuerst dachte ich, ich hätte mich verlesen.

    Jetzt amüsiere ich mich köstlich!

    Zuerst zu Vitzliputzli:

    “ und (2), weil es keine gegenkraft zum internationalen kapital gibt. das müsste eine art international agierende gewerkschaft sein“

    Daß ausgerechnet von Dir der Ruf nach der Kommintern kommt…

    Und MO, was Du schreibst, ist alles richtig. Nur keine Sozialdemokratie.

    • ich rufe nirgendwo nach einer komintern.

      ich schrieb für alle deutlich lesbar: eine art gewerkschaft. also eine interessenvertretung der arbeitenden. dann schrieb ich, daß das aber nie funktionieren wird und warum.

      wenn du immer so leicht zu amüsieren bist, bist du zu beneiden.

      • Natürlich nicht. Du bist nur der Ansicht, daß eine internationale Arbeitnehmerinteressenvertretung das ist, was benötigt würde. Das impliziert, daß es einen gemeinsamen Nenner der Arbeiter aus China, die wegen der Globalisierung und ihrer niedrigen Löhne in Lohn und Brot stehen, mit den Interessen deutscher Arbeiter, die wegen der Globalisierung und der niedrigen Löhne aus China ständigem Innovations- und Lohndruck ausgesetzt sind, unter einen Hut bringen lassen.

        Die beherrschenden Ideen in so einem Verein müssen zwangsweise Planwirtschaft (internationale Lohnangleichung – internationale Preisangleichung) und Internationalismus sein. Dieses Ding wird – aufgrund der Aufgabenstellung – zwangsweise zum Spiegelbild der Kapintern. Wie Du das nennst, spielt keine Rolle.

      • Nö, der Ansicht bin ich nicht.

      • MO, meine Antwort bezog sich auf Vitzliputzlis Erwiderung, nicht auf Deine Einlassung.

      • @ sachse

        du hast vollkommen recht damit, daß eine „funktionierende“ internationale „gewerkschaft“ wohl nur als komintern denkbar ist. Was aber etwas anderes als gewerkschaft ist.

        im grunde ist mein gedanke doch sehr einfach:

        1.dem internationalen kapital steht keine (interessenvertretende, die komintern ist das ganz sicher nicht) gegenkraft seitens der arbeitenden gegenüber.

        2. eine solche ist auch wegen der unterschiedlichen interessen der jeweiligen nationalen arbeiterschaft, wie du es richtig beschreibst, nicht denkbar.

        (2a eine komintern ist keine lösung dieses konflikts, weil der kommunismus insgesamt keine lösung bietet, also auch keine derart ausgerichtete organisatorische (unter-)organisation. ein praktisches beispiel hat der vielvölkerstaat UdSSR geliefert, zb verhungernlassen von millionen urainischer bauern).
        (ich benenne das kind übrigens nicht um, sondern sage, es geht nicht. du hingegen sagst, es geht schon, aber nur in form der komintern. wenn du den kleinen unterschied in der argumentation erkennen willst.

        3. daher sehe ich das generelle problem als unlösbar an. das volk bzw. die völker werden auch zukünftig vom internationalen kapital ausgesaugt und ausgeraubt (in deutschland durch migration und euro). bis zu verelendung und bürgerkrieg weltweit.

      • Sind wir doch garnicht so weit voneinander entfernt.

        Die Kommunistische Internationale ist selbstverständlich keine Lösung, weil sie, wie ich bereits schrieb, Spiegelbild der Internationalen Finanz- …hm… -kapitals ist. Als globalistische Organisation kann sie nur das Vorzeichen der Sklaverei umdrehen, weil sie zwangsweise die partizipierenden Individuen, und da spielt es keine Rolle, ob es sich nun um Arbeiter oder staatlich gelenkte Unternehmer handelt, ihrer ökonomischen Freiheit entbinden muß.

        Die einzige systemisch funktionierende Möglichkeit wäre die Aufspaltung in Subsysteme, die ihrerseits autarkiebestrebt sind und zwischen denen weitgehend nur Warenverkehr erfolgt.

        Lösung kann also nur die Entglobalisierung sein, und zwar der Produktionsmittel in dem Sinne, daß diese nicht von Fremden kontrolliert werden dürfen, und z.T. des Geldes.

        Der Hintergrund dafür ist, daß gleiche Regeln immer nur dann „fair“ sind, wenn sich alle Beteiligten mehr oder weniger daran halten. Die Ursache dafür liegt daran, daß wir, wenn wir Regeln machen oder ihnen zustimmen, nur das offensichtlche regeln, also dafür, woran sich sowieso alle halten, keinen Regelungsbedarf sehen. Werden dann die Systemgrenzen ausgedehnt auf Individuen fremder Sozialisierung, z.B. Menschenfresser aus Liberia, dann ergibt sich dadurch zusätzlicher Regelungsbedarf.

        Aus diesem Dilemma gibt es eine Reihe von Auswegen: entweder definiert man Regeln, wendet diese aber nur entsprechend der Sozialisierung an (wie jetzt). Das führt dazu, daß sich ein einheitlicher sozialer Codex nicht einstellt und auch nicht einstellen kann, weil sozial unerwünschte Verhaltensweisen nicht sanktioniert werden. In der Folge werden sich jene, die sich im Vorfeld an die ungeschriebenen Regeln, an die sozialen Konventionen gehalten haben, sich entweder von diesen oder vom System abwenden. Wahrscheinlich passiert beides, so wie jetzt.
        Der zweite Ausweg wäre, daß der Hegemon die anderen einfach zwingt, sich anzupassen – mit entsprechenden Sanktionsmöglichkeiten. Dies ist naturgemäß nur im Zeitraum der Hegemonie möglich, weil schlichtweg nicht jahrtausende evolutionärer Entwicklung mit einem Federstrich geändert werden können.
        Der dritte Ausweg wäre, sich irgendwann zu trennen, in Einvernehmen.
        Der vierte Ausweg, der eigentlich eine Konsequenz des ersten Szenarios ist, ist, daß die Divergenzen schlußendlich in offenen Kampf münden, in dem sich ein Hegemon herauskristalisiert. Aufgrund der Zerrüttung bis dahin und der Erfahrungen wird dieser Hegemon (ich rede hier von einer sozialen Gruppe) zum einzigen Mittel greifen, welches Konflikte dauerhaft und endgültig beendet.

        Dieser kurze Exkurs „warum Globalisierung nicht funktioniert“ soll im Grunde nur zeigen, daß es sinnvoll ist, zu entglobalisieren, solange man noch unangefochten Herr im Haus ist. Sicherlich: einige Zimmer sind schon besetzt. Aber die bekommt man wieder freigezogen.

      • natürlich kann man als individuum eine menge lustiger sachen machen.

        gesellschaftliche bedeutung wird das nicht erlangen, weil die große mehrheit der internationalen untertanen – wir reden von 1-2 milliarden menschen (der rest ist ausbeutungsökonomisch uninteressant) mit egoistischen, aber sehr unterschiedlichen interessen – das tut, was vorgegeben wird.

        ich rede von einer gesellschaftlich relevanten kraft, die der macht des internationalen kapitals, das sind tausende von milliardären, etwas entgegensetzen kann, und das sind nicht ein paar aufrührerische individuen.

        national waren das früher gewerkschaften und arbeiterparteien. aber die zeiten sind schon lange passe. heute ist denen nichts mehr entgegenzusetzen und das int. kapital spielt die arbeiter und nationalen regierungen gegeneinander beliebig aus.

        das ist das problem.

        einzelwiderstand und die gewünschte abschaffung von kapitalgesellschaften sind ein witz gegen das wirkliche problem (unseres landes bzw. überhaupt für alle nichtprivilegierten 80 % weltweit)

      • Jede Reise beginnt mit dem ersten Schritt.

    • @ sachse

      die von dir angesprochenen maßnahmen dürften durchaus sinnvoll sein. Leider beschränken sie sich auf reine theorie.

      (Bei der frage der kapitalverkehrsbeschränkungen habe ich allerdings zweifel. Sie haben nämlich auch wettbewerbsbeschränkende wirkung, und zwar zwischen den staaten, die sich im (unter normalen verhältnissen durchaus sinnvollen) wettbewerb um kapital befinden.)

      Diese fragen müssen aber nicht groß durchdacht werden:

      welche politische macht sollte diese maßnahmen, die das große finanzkapital nicht will, durchsetzen?

      Da sind wir wieder bei den logisch und praktisch undenkbaren gewerkschaften und daß es diese gegenkraft nicht geben kann und wird.

      Deswegen wird es (zwangsläufig!) zu der traurigen entwicklung kommen, die ich oben angekündigt habe.

      • „Leider beschränken sie sich auf reine theorie.“

        Tun sie nicht. Du entscheidest selbst, was Du kaufst, Du entscheidest selbst, wo Du kaufst. Du entscheidest auch selbst, was Du dem Anbieter sagst, warum Du nicht bei ihm kaufst.

        Zugegebenermaßer erfordert dies in gewissem Bereiche Disziplin, und Du verpaßt mitunter etwas, das Du selbst als „Schnäppchen“ wahrnimmst.

        Du entscheidest auch selbst, wen Du ausgrenzt und wen nicht. Schau, eine der härtesten Erkenntnisse war, daß der enthaarte, bespringerstiefelte Schläger, der einen Dönerimbis abfackelt, Zuwanderung effektiver begrenzt, als es jede „demokratische Forderung“ je könnte. Daß die Taten dieser Leute natürlich eine politische Dimension haben – und diese politische Dimension ein Nagel im Zeh der Globalisten ist, ist durchaus nachzuvollziehen. Damit läßt sich auch deren hysterisches Gekeife in solchen Sachen nachvollziehen, während, wenn Deutsche totgetreten werden, der See ruht.

        Die politische Dimension der antiglobalistischen privaten Tat ist also in jedem Fall gegeben.

        Das heißt nun nicht, daß Du vom Opa die Platte mit dem Horst-Wessel-Lied im Türkenviertel mit dem Gramophon abspielen sollst, aber „Prinz Eugen der edle Ritter“…warum nicht?

        Deine Spielwiese sind da die Städte, und selbstverständlich kannst Du den Finger in die Wunde reinbohren: wie andernorts geschrieben wurde, kann man einer Deutschen mit einem Neger im Arm guten Flug nach Afrika wünschen oder einer Deutschen mit einem Türken als Freund schonmal vorsorglich Karten vom nächsten Frauenhaus in die Hand drücken.

        Was ich damit meine, das ist folgendes: die nicht-globalisierte Welt ist die Normalität, und als solche muß man sie nicht nur wahrnehmen, sondern auch kommunizieren. Wie man das tut, ist weitgehend egal, wichtig ist nur, daß es öffentlich geschieht.

        Die Linken sagen nicht umsonst, daß Private sei politisch – es hat eine politische Dimension und die gilt es zu nutzen.

    • mist, die kommentare gehen threadmäßig durcheinander, aber egal, was ich sagen wollte, habe ich gesagt.

  7. >Das grundsätzliche Problem in der Weltwirtschaft ist nicht der Wettbewerb, sondern die Existenz juristischer Personen (Körperschaften)!

    Markus, das war der einzig relevante Satz dazu. Das unterschreibe ich sofort. Nur durch die Körperschaften hat sich das wirtschaftliche Handeln von der Realwirtschaft entfernen können und gleichzeitig ist damit die persönliche Verantwortung entfallen.
    Das Bild des Unternehmers, der wenigstens die reelle Möglichkeit und damit vielleicht auch die moralische Verpflichtung hat, seine Arbeitnehmer zu hegen und zu pflegen, ist unter diesen Bedingungen ewiggestrig.

    Stattdessen werden Körperschaften von Körperschaften gegründet und in die Inslovenz getrieben, wie es die Gesetze so zulassen. Ich sage nur beispielhaft: Baumafia! Was da abgeht – auch mit Arbeitnehmerüberlassung ins Hauptbaugewerbe, was in Dtl. ja verboten ist, verdeckt über andere Länder wie Österreich, ist einfach unfassbar.

    • das ist zwar richtig, aber wenn die körperschaften hierzulande abgeschafft werden, um das brave gute alte einzelunternehmertum neu aufleben zu lassen, werden die firmen eben im ausland gegründet oder die sitze verlegt.

      die feststellung, daß die schuld sind, die schlimmen körperschaften, hilft also keinen furz weiter.

      es glaubt doch wohl niemand im ernst, daß die körperschaften wieder abgeschafft werden könnten. gar durch die sozialdemokratie!

      daran hat das internationale kapital nicht das geringste interesse.

      • Mit der Argumention könnte man auch gleich somalische Verhältnisse schaffen! Natürlich bedarf es Regulierung, sie ist auch durchsetzbar. Weil der europäische Binnenmarkt nämlich groß genug ist, solche Regeln durchzusetzen!

      • ich glaube nicht, daß du die argumentation überhaupt annähernd begriffen hast.

        es geht um die frage, ob sich die 1000 oder 3000 milliardäre weltweit, die nicht nur maßgeblichen, sondern bestimmenden einfluß auf die weltwirtschaft (und die politik) haben (denen gehören die medienhuren und die können jeden abgeordneten mit geld zuscheißen) und die ihre wahnsinnig riesigen vermögen überhaupt nur mittels kapitalgesellschaften beherrschen können, sich dieses werkzeug wegen ein paar ehrgeizigen deutschen sozialdemokratischen abgeordneten politisch nehmen lassen.

        niemals.

        es ist daher völlig unwichtig, ob du regulierungsbedarf siehst und der vielleicht auch vorhanden ist (kapitalgesellschaften sind nicht nur schlecht). es wird nicht passieren, weil die fundamentalen sachen oberhalb der regierung entschieden werden. da kann der wähler unten herumwählen, was er will.

        letzteres ist das – zur zeit unlösbare – problem.

  8. …was die Macht aus ehemaligen Idealisten und tüchtigen Oppositionspolitikern macht. Wir sollten uns die Grünen in Österreich als unverdorbene, aktive, kritische Opposition erhalten.


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