Verfasst von: markusoliver | November 2, 2012

Die Akte eines Mandantens


Über 360.000 Euro zu versteuerndes Jahreseinkommen. Und was sehe ich unter „Spenden“?

Einen Betrag unter 90 Euro.

Das ist kein Einzelfall. Eine befreundete Staatsanwältin, die Steuerdelikte bearbeitet, schildert mir ähnlich erschreckende Beispiele. Da gibt es Anwälte mit einem Jahreseinkommen über 400.000 Euro im Jahr (nur aus der Kanzlei, sonstige Nebeneinkünfte nicht miteingerechnet!), die bei ihr als Steuerhinterziehungsfälle landen und die es gleichzeitig gewagt haben eine Steuererklärung mit derart armseligen Spenden abzugeben.

So etwas ist nicht nur unangemessen, es ist auch noch ausgesprochen dumm. Denn so eine Steuerakte wird durch die zuständigen Stellen auch auf solche Kleinigkeiten hinreichend deutlich untersucht. Und wenn es ums Ermessen geht, dann wird bei solchen Leuten keine Nachsicht geübt.

Wenn man schon Steuern hinterzieht, dann sollte man wenigstens so klug sein und unter „Spenden“ andere Beträge anführen können. Denn man weiß nie, wer die Akte in die Hand bekommt.

Das Argument, man zahle ohnehin so viel Einkommenssteuer, greift nicht: Wer als Steuerhinterzieher auf dem Tisch dieser Staatsanwältin landet, ist mit derart niedrigen Beträgen angeschissen. Er hatte ja auch die Steuer schon nicht bezahlt.

Um es mal in Zahlen auszudrücken: Wer anständig gespendet hat, bekommt die Einstellung des Verfahrens evtl. gegen das Drei- bis Vierfache der hinterzogenen Summe. Wer es nicht getan hat, kann froh sein, wenn er die Einstellung gegen das Fünf- und Sechsfache der hinterzogenen Summe überhaupt noch bekommt.

Spenden rechnet sich.


Responses

  1. steuerhinterziehung lohnt sich eh nicht, glaube ich.

    habe schon von x fällen gehört bei denen gestandenen männern nach jahren plötzlich der arsch auf grundeis ging und es dann zur selbstanzeige kam nachdem bei einem kollegen ermittelt wurde.

    • In der Tat lohnt sich Steuerhinteziehung für die allermeisten Menschen nicht. Man mancht sich damit doch mittlerweile erpressbar und – das ist eigentlich ein Effekt über den ich schmunzeln muss – viele Steuerhinterzieher müssen mitansehen, wie die „Gebühren“ ihre Ersparnisse auffressen, weil die Verwalter zu verstehen geben, dass bei Abzug des Vermögens ja auch eine CD verkauft werden könnte.

  2. Diejenigen, für die sich eine Hinterziehung gelohnt hat, wurden ja auch nicht erwischt!
    Das ist wie der perfekte Mord, den es nicht gibt, weil ihn niemand erkennt.

    Wird Dir gefallen:

    http://www.faz.net/aktuell/feuilleton/die-infantile-gesellschaft-aus-leuten-werden-kinder-11947625.html

  3. Solche sorgen eines Mandanten wenn er nicht erwischt wird!(?) Fehlt nur noch eine gesunde Verdauung zum großen „Glück“.
    Aber auch das wollen so manche genauer wissen; http://www.faz.net/aktuell/feuilleton/ansichten-eines-provinzchinesen-was-ist-glueck-11949429.html

    • Für den Fall das er erwischt wird macht es aber einen Riesenunterschied.

      • Außer einer ordentlichen Selbstanzeige fehlt demjenigen doch nur/oder höchstens sein Jahresbeitrag im Golfklub. Oder ist jemandem schon mal aufgefallen wie viele Namentlich genant wurden bzw. sollten, die mit auf den gekauften CDs aus der Schweiz stehen. Ganz besondere erhielten gar Entschädigungen, weil sie nicht gewarnt wurden!

  4. OT

    http://www.sueddeutsche.de/politik/spd-chef-sigmar-gabriel-bei-akademikern-spricht-nichts-gegen-eine-rente-mit–1.1513450

    Der Typ ist einfach die Härte 😀 Grüne, Piraten und CDU sollten ihm Geld für seine hervorragende Wahlkampfarbeit zahlen.

  5. In der Ouest-France wird den (französischen) Lesern doch ganz ernsthaft der Begriff der ökonomischen Wettbewerbsfähigkeit erklärt – je suis frappé!

    http://www.jactiv.ouest-france.fr/actualites/economie/competitivite-c-est-quoi-11227

    Darauf einen Kaffee, ¡olé!

    (Bitte wieder einmal um Entschuldigung für meine billigen Wortspielchen)


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