Verfasst von: markusoliver | August 21, 2012

Scheiße über die Dienste


Ich muss jeden Tag größeren Scheißdreck über die Deutschen Dienste in den Zeitungen lesen. Angeblich ist jetzt der Bundesnachrichtendienst der klügste Dienst was Syrien angeht. Angeblich hat kein anderer Auslandsdienst derartige Quellen wie der BND. Wer soll diesen Dreck eigentlich glauben?

Bezeichnend ist, was der Chef des BND erst vor kurzem gegenüber der Presse erklärt hat: Er würde nun angeblich Reformen einführen, wie vereinfachte Reisekostenabrechnungen. Man muss dazu wissen, dass dieser Wahnsinn mit den Reisekostenabrechnungen nur dort durchgeführt wird, wo die Arbeit eh keine Rolle spielt.

Aber egal, ich muss jeden Tag so eine Scheiße über diese Sachen lesen, dass es mir direkt in den Augen weh tut.

Kommen wir bei dieser Gelegenheit doch glatt einmal zum Thema Syrien. Da sitzt also laut der deutschen Presse eine Gruppe von Männern im NATO Stützpunkt Incirlik und spioniert von dort aus Syrien aus. Also notgedrungen allesamt akkreditierte Leute. Also im Grunde keine Geheimdienstler. Denn ein Geheimdienstler, der in einem fremden Staat nicht geheim operiert, ist keiner. So einer ist eher ein Diplomat, ein Handlungsreisender. Vielleicht auch ein Märchenerzähler. Aber jedenfalls ist der kein Geheimdienstler, auch wenn man ihm das vielleicht glauben macht.

Von Incirlik an die syrische Grenze sind es circa 250 km. 250 km, die man unbeobachtet als Ausländer in keiner Weise überwinden kann. Um das zu wissen, muss man die Straßenverhältnisse in der Südosttürkei kennen. Gerade im Grenzgebiet zu Syrien sind die Straßen nur schmal, häufig in Serpentinenform und dann auch noch durch Abwassergräben oder ähnliches gekreuzt. Man kann sich dort keine 200 m bewegen, ohne als Ausländer aufzufallen. Ein Vorankommen von Dorf zu Dorf, unbemerkt und an den zahlreichen türkischen Soldaten vorbei, ist ausgeschlossen. Das schafft man noch nicht einmal als Türke. Selbst als Einheimischer ist es sehr sehr schwer, denn den Leuten dort fällt jede Bewegung auf. Vor allem dann, wenn man sich in Grenznähe oder entfernt von den offiziellen Grenzübergängen aufhält.

Die Errichtung eines Agentennetzwerkes in dieser Region ist zwar möglich, aber mit enormen finanziellen und technischen Aufwand verbunden. Schließlich muss ein solches Netzwerk geheim bleiben, es sollte nicht entdeckt werden. Fragt sich nur, zu welcher Zeit der deutsche BND dort ein solches Netzwerk errichtet haben will und was es ihm genutzt haben soll.

Auch erklärt die kriegsgeile deutsche Presse mit keinem Wort, warum der BND ausgerechnet Interessen in Syrien haben soll. Für die Politik der Bundesregierung spielte Syrien in den wenigstens letzten 15 Jahren überhaupt keine Rolle, wenn man mal vom Konflikt mit Israel absieht.

Bodenschätze sind dort auch keine nennenswerten vorhanden, die Handelsbeziehungen sind Mau und strategisch spielt es für Deutschland überhaupt keine Rolle.

Wenn man so will, dann hat die Bundesrepublik Deutschland Interesse an der Pipeline, die durch die Türkei führt. Das hat aber nichts mit Syrien zu tun.

Die nächste Nachricht, bei der unsere Reporter jeweils eine feuchte Hose bekommen, ist die bezüglich des Flottendienstbootes.

Nun hat sich die Technik in den letzten Jahren auch weiterentwickelt und ich bin sicher nicht mehr auf dem neuesten Stand. Sicher kann man mit der Technik von solchen Schiffen eine Wüstenregion relativ leicht überwachen. Jedenfalls in Kombination mit Luftaufklärung oder nur insoweit, als dass die Auswertung von elektronischen Informationen einen nennenswerten Erkenntnisgewinn bringen würde. Welcher Erkenntnisgewinn darin liegen soll nach nicht abgesetzten Funksprüchen
zu lauschen, bleibt ein Geheimnis unserer Experten. Oder glauben die jetzt ernsthaft, die Syrer wären so blöd und wüssten nicht, dass sie belauscht werden?

Ich habe aber immer öfter den Eindruck, dass unsere Presse sich ganz bewusst verarschen lässt. Die finden es geil, selbst „gestaltend“ kriegstreibend tätig zu sein. Dafür nehmen Sie es auch in Kauf, sich von vorne bis hinten für dumm verkaufen zu lassen.

Wir halten also fest:
1. der BND spielt in Syrien keine besondere Rolle.

2. die Flottendienstboote sind irrelevant.

3. die deutsche Presse ist ein Sauhaufen.

Wie strukturell ahnungslos Deutschland in Bezug auf Geheimdienstarbeit ist, zeigt sich auch sehr schön an der Bewältigung des Problemkreises Wirtschaftsspionage.

Quizfrage: dürfen deutsche Strafverfolgungsbehörden beim Verdacht auf Wirtschaftsspionage die Überwachung der Telekommunikation durchführen? Wenn nein: warum nicht?

Anm.: ich habe diesen Text mithilfe von Siri verfasst. Er hat daher den einen oder anderen kleinen Fehler. Ich bitte um Nachsicht.

Nachtrag: ich Weiß natürlich, dass man mithilfe dieser Schiffe Funkzellen dermaßen nutzen kann, dass man sie als Radarstationen benutzt. Mit deren Hilfe kann man dann Truppenbewegungen nachvollziehen. Das soll sogar bis hin zu Einzelpersonen gelingen, was ich mir aber aufgrund der Distanzen und der Vielzahl an Bewegungen nicht vorstellen kann. Es wird wohl mit Panzerfahrzeugen gelingen. Was auch der Grund dafür sein dürfte, dass es den Rebellen so gut gelingt so viele von diesen Fahrzeugen zu erlegen.

Wenn ich oben von Serpentinen in der Südosttürkei schreibe, dann meint das natürlich keine Serpentinen wie auf Teneriffa. Eher kurvenreiche Straßen. Es geht dort ja nicht wirklich steil hinauf in die Berge. Die Grenzregion zu Syrien hat eher Hügelcharakter. Es gibt aber viele Hindernisse auf den Straßen, die einen zwingen wie auf Serpentinen zu fahren.


Responses

  1. Nun mögen ja viele Leute nicht blöd sein, was den funkelektronischen Kampf betrifft aber viele Leute sind auch einfach nur nachlässig, unvorsichtig und in Eile. Es ist also durchaus möglich, Nachrichten zu sammeln und Puzzles zusammenzusetzen, so man nur will. Umsonst wird ja beim Militär nicht die Funkdisziplin eingefordert. Deutschland wird da irgendwelche Gefälligkeiten im NATO – Bündnis erfüllen. In der Hoffnung, die werden irgendwann erwidert oder belohnt.

    • Ich gebe Dir ja Recht, was die grundsätzliche Bedeutung der ELOKA im modernen Kampf angeht.

      Und natürlich muss man auch mit Nachlässigkeiten rechnen.

      Aber es gibt dort schon genug Abhörstationen die nach Syrien gerichtet sind.

      Vor allem aber würde der Einsatz eines deutschen Bootes in diesem Bürgerkrieg bedeuten, dass man den Deutschen Bundestag umgangen hätte. Das mag ich mir beim besten Willen nicht vorstellen.

      Nicht zuletzt deshalb gilt:

      Alles nur Schau. Der BND spielt dort keine Rolle. Und er selbst ist der Letzte, der eine andere Ansicht der deutschen Öffentlichkeit haben will.


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