Verfasst von: markusoliver | Februar 28, 2012

Unsere Wirtschaftsprofessoren


Herr Sinn hat eine große Gefahr aufgedeckt: Target2.
Es hört sich ein wenig nach Pershing 2 an und wird auch so verkauft. Weil es zwischen einzelnen Zentralbanken quasi ungesicherte Währungskredite und damit auch Risiken gibt, droht uns nach Interpretation von Herrn Sinn im Fall des Zusammenbruchs des Euro die große Katastrophe.

Der Rest der Intelligenzia stimmt mit ein in diesen Gesang, obwohl die Allermeisten wohl den hinter Target2 stehenden Mechanismus wohl noch nicht begriffen haben. Ein Professor gestand gegenüber Spiegel Online ein, zwei Wochen für die Einarbeitung gebraucht zu haben.

Dabei ist es gar nicht so schwer: Zerbricht der Euro sitzt die Deutsche Bundesbank auf gewaltigen Forderungen, die sie dann gegen ein System hat, das es nicht mehr gibt. Was also wird passieren?

Die Intelligenzia meint nun, Deutschland habe quasi keine andere Wahl mehr als den Euro um jeden Preis zu behalten. Ich behaupte: Die merken die Einschläge nicht mehr.

Selbst wenn Griechenland aus dem Euro austritt und damit riesige Zahlungsausfälle auf uns zukommen sollten, bedeutet das für unseren Reichtum gar nichts. Nichts. Zwar verliert die Bundesbank einige hundert Milliarden, allerdings ist das sowieso nur die Summe, die es benötigen würde, die dann einzuführende DM auf einem niedrigen Kurs zu halten. Denn seien wir mal ehrlich, was passiert denn, wenn wir die DM einführen? Über Nacht würde sie ihren Wert verfünffachen, mindestens. Das würde bedeuten, dass wir den freien Handel unserer Währung in den ersten zwei Wochen erst einmal aussetzen müssten. Denn sonst würde Deutschland nichts mehr exportieren, Massenarbeitslosigkeit wäre die Folge.

Wenn es nun also ballert und die Deutsche Bundesbank dann feststellt, dass sie 500 Milliarden oder gar mehr (Horrorszenarien sprechen vom 1,7-fachen des Deutschen Bruttosozialprodukts), dann ist das nichts weiter als ein Teil der dann ohnehin dringend benötigten Inflation. Die Bank müsste sich das Geld das sie benötigt also drucken.

Großen Schaden richtet ein solches Szenario nicht an. Wir haben es erst vor wenigen Jahren erlebt: Damals wurde unsere Geld im Wert halbiert, man nannte diese Enteignung „Euro-Einführung“. Was uns damals abgezockt wurde war eine viel größere Summe.

Also liebe Leute, lasst Euch nicht bange machen. Target2 ist keine Katastrophe. Deutschland wird diese Verlust immer wieder schnell wieder erwirtschaften.

Nachtrag: Peter Bofinger hat gut auf die Panikmache des Prof. Sinn geantwortet.


Responses

  1. Gegenwärtig erlebe ich eine seltsame Wahrnehmung. In meinem Bekanntenkreis sind haufenweise gestandene Akademiker, Techniker, Handwerker. Alle gut situiert. Vermögend. Alles bestens.

    Keiner, kein Einziger will wahrhaben, daß Endzeit ansteht. Obwohl alle von der Intelligenz her locker begreifen müßten, was abläuft. Wunschdenken infolge Bequemlichkeit/Beliebigkeit allerorten. Alle haben den Anspruch, wir haben es geschafft, wir sind gesettelt, weil wir uns es alle wünschen, geht es genau so weiter.

    Falsch. Da der Mensch generell dem linearen, sequentiellen Denken unterliegt, unterschätzt er exponentiell-parallele Abläufe. Ich glaube, Du auch, MO.

    Das Ganze ist ein Cocktail aus allen Details. Und dieser Cocktail ist giftig. Mögen wir mit gewissen Vermögensverlusten das Ende des €uro überstehen, ist dann irgendeines der anderen Probleme gelöst? Nein.

    Es ist eine ganz einfache Rechnung. Zur Hölle mit all dem mathematisch-statistischem Geschwurbel. Wir können uns weder die Zuwanderung in der gegenwärtigen Form leisten, noch die Umfänglichkeit der Verwaltungsapparate. Wir sind wie Griechenland. Eigentlich noch schlimmer, die Griechen haben beschissen, wir werden beschissen. An dieser Stelle könnte ich einen langen Beitrag schreiben.

    Deshalb nur kurz. Welche Statistik, die unser Denken und unsere Urteilskraft beeinflusst, stimmt noch? Die Arbeitslosenstatistik? Das BIP? Keine mehr, alles geschönt. Wir hängen, wenn wir den offiziellen Aussagen glauben komplett in der Luft. Und glauben, es geht so weiter.

    Allerdings ist da ein winzig kleines Licht am Ende des Tunnels. Einige fangen an, nachzudenken. Wie Sinn & Co. mit Target2. Die Mahner-Untergangspropheten werden plötzlich salonfähig. In den USA zB. ist Gerald Celente nun in Mainsteam-Medien. Hier kläfft die Bildzeitung.

    Täglich werden es mehr. Das ist übrigens auch eine Exponentialfunktion.

    • Anders als viele Ignoranten unter Deinen Freunden habe ich aber begriffen um was es geht. Ich komme eben nur zu einem anderen Ergebnis.

      Target2 ist nicht das Problem. Das Problem sitzt noch eine Ebene höher, nämlich in nicht einlösbaren Rentenversprechen.

      Darum haben wir auch noch Zeit. Target2 bewirkt so gut wie gar nichts. Gut, hier und da ist das Vermögen halbiert. Aber es wird auch schnell wieder anwachsen, da Deutschland eine führende Industriemacht ist.

      Diese Verluste sind durch Exportüberschüsse wieder einzuholen. Schlimm wird es erst wenn der Rentenbulk kommt.

      Dann gibt es systematische Enteignungen, nicht bloß monetär bedingte. Das dauert aber noch.

      • Target2 ist eines der Probleme in dem Cocktail. Richtig. Aber eines mit sudden-death-potential.

        Die Renten -Vermögensanlagen allgemein- auch. Slow-death, aber, wie Du richtig sagst, um Zehnerpotenzen höher.

        Aber es wird auch schnell wieder anwachsen, da Deutschland eine führende Industriemacht ist.

        Diese Verluste sind durch Exportüberschüsse wieder einzuholen

        Genau da irrst Du. Und auch genau da liegt die Lösung.

        Schau Dir einmal an, wie viel exportinduzierter Import anliegt. Also das Zeug, das wir anderswo kaufen, um hier ein Exportprodukt herzustellen, damit Mario aus La Spezia sich seinen weißen Q7 kaufen kann, dem wir ihm via Target2 gegenwärtig quasi schenken.

        Ist Dir entgangen, wo die „Steigerungsraten“ der vergangenen Jahre herkamen? Aus dem Export! Schau Dir mal in einer ruhigen Minute diese Entwicklung an, die Bundesbank hat da durchaus aussagekräftige Zahlenreihen. Der Binnenmarkt kackte ab, der Export blühte. Target2…..

        Mich erinnert die gegenwärtige Situation an die DotCom-Blase. Hatte da einen brilliant verdienenden Kunden (Informatiker) aus dem damaligen SAP-Umfeld. Wie oft der angerannt kam, weil sich seine Aktien wieder verzehnfacht hatten, und noch mehr, mehr, mehr wollte. Er meinte, es sich leisten zu können. Palazzo-Prozzi. Nun, da die heiße Luft raus ist, lebt er sehr bescheiden von HIV.

        Wir können, wenn wir wollen, (fast) alles das, was wir brauchen, selber hier herstellen. Binnenmarkt, Celente hat dem einen Namen gegebe: „buy local“. Nix Neues, ist uralt.

    • Hallo Domingo, das liegt meiner Meinung nach an den verinnerlichten Dogmen, vielleicht schreibe ich einmal etwas dazu. Es würde mich aber freuen, einmal einen längeren Text von Dir zu lesen.

      • Entschuldigung, das ist so viel zu unsinnig.

        Natürlich blühte der Export während der Binnenmarkt abschmierte. Aber:
        Selbst unterstellt es käme beim Export nur auf das reine Geldverdienen an (was nicht der Fall ist, weil die reine Warenproduktion auch eine Bestandssicherung ist, denn es wird z.B. auch die Entwicklungsfähikgeit gesichert, weil die Produkte die verkauft werden ja auch irgendwie entwickelt werden müssen), wäre Target2 kein Problem. Denn selbst wenn die Superkatatstrophe eintritt, wäre das nicht unser Schaden. Deutschland würde die Forderungen eben nicht bedienen -> Staatspleite.

        Und dann? Wegen der Mächtigkeit Deutschlands wäre die Insolvenz kein Problem. Wir wären quasi über Nacht wieder vorne mit dabei. Es macht eben einen Unterschied ob man in der Kreisklasse spielt oder in der Bundesliga. Bei den Staatspleiten gelten keine gleichen Bedingungen für alle Staaten.

  2. Schau:

    Divide et impera.

  3. „Damals wurde unsere Geld im Wert halbiert, man nannte diese Enteignung “Euro-Einführung”. Was uns damals abgezockt wurde war eine viel größere Summe.“

    Glaubst Du das wirklich? Die Teuerung ist seit Euro-Einführung nicht höher als vorher.

    • hahahaha… guter Witz!

    • Ich meine nicht die Teuerung sondern den Wechselkurs!

      • Gegenüber dem Dollar steht der Euro heute höher als bei seiner Einführung.

      • Was aber nur beweist, dass der Dollar noch mehr an Wert verloren hat.

  4. Zum Nachtrag.
    Was ist an Bofingers Geschwafel gut? Das er Sinn unwissenschaftliche Stammtischparolen vorwirft und von ihm gleichzeitig eine Lösung der Misere verlangt?
    Mit den in den letzten zwölf Monaten stark gestiegenen Target-Salden und dem damit angeblich gedruckten Geld sind auch keine Güter in Deutschland gekauft worden.
    Ja nee, is klar. In den letzten 12 Monaten… Mann, Bofinger, dieser Drops war schon lange vorher gelutscht.

    Die Targetsalden explodieren seit 2007.

  5. Worin willst den Wert des Euro messen? An der Kaufkraft? Am Wechselkurs? An der Laune Deiner Kollegen?

    • Ja, das ist eben sehr schwer. Aber so einfach, dass man den Euro ins Verhältnis zum Dollar setzen und dann auf den „Wert“ des Euro schließen kann, ist es eben auch nicht.

      Inflation ist heute eine sehr komplexe Angelegenheit. Am ehesten wird man sie wohl am allgemeinen Wohlstandsverlust messen können. Wie lange muss man für einen Mittelklassewagen arbeiten? Wie lange für ein durchschnittliches Einfamilienhaus sparen? Wie lange für eine Tasse Kaffee arbeiten?

      Diese Werte haben sich in den letzten drei Jahrzehnten stetig verschlechtert. Man sieht es schon daran, dass heutzutage viele soziale Vergünstigungen für Arbeitnehmer nicht mehr existent sind, ich wage sogar zu sagen, dass die junge Generation sich diese nicht einmal mehr vorstellen kann, die in den 70er Jahren noch alltäglich waren.

      Weihnachtsgeld, Urlaubsgeld, Unkündbarkeit… geschenkt. Aber alleine der umfangreiche Sonderurlaub der früher gewährt wurde. Alle möglichen Zusatzgratifikationen. Die an das Lebensalter geknüpften Gehaltssteigerungen. Die Unkompliziertheit beim Bau eines Hauses…

      alles heute unvorstellbar.

      • Was hat das aber mit dem Euro zu tun? Man könnte auch sagen, es gibt weniger Weihnachtsgeld, weil Lassie tot ist. Oder wegen Flipper.

      • Nö, der allgemeine Kaufkraftverlust ist da. Das nennt man Inflation.

      • Oder anders ausgedrückt: es kommt nicht darauf an, dass die Währung Euro heisst. Man muss eben nicht gerade auf den Euro abstellen, sondern auf „unsere Währung“. Dann ist es egal, ob die DM, Euro, Dollar oder Steine heißt. Unsere Währung hat massiv an Wert verloren.
        Und da in unserer Währung noch eine Menge Albtraumrisiken schlummern die von vielen noch nicht erkannt wurden, nützt die Inverhältnissetzung zum US-Dollar gar nichts.

  6. 0:1 und im Hintergrund ständig Fliegeralarm (.de)…

  7. http://www.faz.net/aktuell/wirtschaft/schuldenkrise-die-bundesbank-fordert-von-der-ezb-bessere-sicherheiten-11667413.html

    Leaks sind jetzt überall und das ist gut so.

  8. […] Quelle: https://hurenkind.wordpress.com/2012/02/28/unsere-wirtschaftsprofessoren/ […]

    • Oh, das ist ja eine Ehre.

      • Hast Du gelesen, was bei denen unter „unbekannte Blogger“ steht?
        Anmerkung der Redaktion: Es gibt unzählige Blogger in diesem Land, die unter Pseudonym schreiben – vermutlich, weil sie die Konsequenzen ihrer Beiträge fürchten. Diese Blogger wollen aufklären und stellen ihre Beiträge kostenlos der Allgemeinheit zur Verfügung. Wir möchten einige dieser Beiträge auch unseren Lesern zugänglich machen und beginnen deshalb unter dem Autorenname “Unbekannter Blogger”, hin und wieder gute Texte und Fundstücke zu veröffentlichen. Wir würden uns sehr darüber freuen, wenn die Unbekannten danach vielleicht zumindest gegenüber unserer Redaktion ihre Anonymität aufgeben und mit uns in Kontakt treten. Wendet euch bitte an redaktion@blauenarzisse.de!

      • Eigentlich müsste Dir das ja nicht so recht sein, da Du uns ja damals gebeten hast, keine Werbung für Dein Blog zu machen – um es klein und den Moderationsaufwand niedrig zu halten.

    • Eine tolle Aktion von der Blauen Narzisse!


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